BERLIN FRANKREICH KANAREN MALLORCA ROM
Die
Felianitx-Situation
Flüchtige Eindrücke im Vorbeiflug. Ich kartiere die Insel.
Nicht auf dem Papier, schlechte Karten von Mallorca gibt es schon genug. Aber im
Kopf und mit der Kamera.
Warum ich das tue, weiß ich nicht. Warum Mallorca, diese kuriose Mischung aus
HochhausÖlsardinenFamilienAllinclusiveTraum, rauher, ursprünglicher Bergwelt mit
touristenüberfluteten Postkartendörfern und Ballermannbumsurlaubern?
Vielleicht suche ich etwas - ein Paradies?
Oder doch die Gegensätze. Die unglaublich häßlichen Gewerbegebiete um Palma und
Manacor, die Mandelblüte und Aleppokiefern über türkisblauem Meer. Blühende
Wiesen, darin tausende von Windmühlen, die mit hängenden Flügeln an der
Autobahn, oder in der Einflugschneise von Son San Joan stehen. Zerfallene Fincas
und neureiche Ansiedlungen in uniformem Pseudomittelmeerkitsch.
Wer die Insel erkundet, legt zwangsläufig größere Strecken zurück. Entspannt mit
dem Bus oder Zug, oder nerviger mit dem Mietwagen. Anhalten ist schwierig,
spontane Manöver gefährlich. An Felianitx mit seinen sieben Türmen bin ich schon
häufiger vorbeigekommen aber bisher noch nie ausgestiegen. Ich fotografiere mit
einer Hand am Steuer während der Fahrt. Flüchtige Eindrücke im Vorbeiflug.
Aber schließlich ist ja der Weg nicht das Ziel. (Martin Kaiser aus "Über das
Reisen" Fotos und Texte, 2009)