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    Die Felianitx-Situation
Flüchtige Eindrücke im Vorbeiflug. Ich kartiere die Insel.
Nicht auf dem Papier, schlechte Karten von Mallorca gibt es schon genug. Aber im Kopf und mit der Kamera.
Warum ich das tue, weiß ich nicht. Warum Mallorca, diese kuriose Mischung aus HochhausÖlsardinenFamilienAllinclusiveTraum, rauher, ursprünglicher Bergwelt mit touristenüberfluteten Postkartendörfern und Ballermannbumsurlaubern?
Vielleicht suche ich etwas - ein Paradies?
Oder doch die Gegensätze. Die unglaublich häßlichen Gewerbegebiete um Palma und Manacor, die Mandelblüte und Aleppokiefern über türkisblauem Meer. Blühende Wiesen, darin tausende von Windmühlen, die mit hängenden Flügeln an der Autobahn, oder in der Einflugschneise von Son San Joan stehen. Zerfallene Fincas und neureiche Ansiedlungen in uniformem Pseudomittelmeerkitsch.
Wer die Insel erkundet, legt zwangsläufig größere Strecken zurück. Entspannt mit dem Bus oder Zug, oder nerviger mit dem Mietwagen. Anhalten ist schwierig, spontane Manöver gefährlich. An Felianitx mit seinen sieben Türmen bin ich schon häufiger vorbeigekommen aber bisher noch nie ausgestiegen. Ich fotografiere mit einer Hand am Steuer während der Fahrt. Flüchtige Eindrücke im Vorbeiflug.
Aber schließlich ist ja der Weg nicht das Ziel. (Martin Kaiser aus "Über das Reisen" Fotos und Texte, 2009)